Autor: Morton Rhue
Genre: Roman
Alter: ab 13 Jahren
Seiten: 190
ISBN: 978-3-473-58008-8
Erstmals erschienen: 1984
Link: Ravensburger *
Diesmal nehme ich den Roman "Die Welle" von Morton Rhue unter die Leselupe. Das Buch ist in der heutigen deutschen Fassung 1984 im Ravensburger-Verlag erschienen.
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Das meinen zumindest die Schüler aus dem Geschichtekurs von Mr Ross, nachdem sie sich einen Film über die Grausamkeiten in den Konzentrationslagern während des zweiten Weltkrieges angeschaut haben. Und Mr Ross kann ihnen mit Worten nicht verständlich machen, wie es dazu kommen konnte. Es bleibt in der Klasse unbeantwortet wie Millionen Menschen abgeschlachtet wurden ohne dass jemand davon wusste oder jemand es verhindern konnte. Also entschließt sich der Lehrer, ein Experiment mit seinen Schülern zu machen, dessen Ausgang jedoch ungewiss ist.
Die Welle ist keine erfundene Geschichte, sondern beruht auf einer wahren Begebenheit, wie sie sich 1967 an einer Schule in Palo Alto abgespielt hat. Das Buch basiert auf dem Drehbuch zum Film "Die Welle" aus dem Jahr 1981. Eine weitere Verfilmung des Themas erfolgte auch im Jahr 2008. Diese spielt jedoch im heutigen Deutschland und unterscheidet sich auch sonst stärker von den damaligen Ereignissen.
Ende 2019 soll auch eine Serie auf Netflix erscheinen.
Die Sprache des Buches ist einfach gehalten, der Inhalt ist durch die kurzen Sätze und die direkte Weise, wie Gefühle und Gedanken der beteiligten Personen dargestellt werden, leicht verständlich. Dadurch wird das Thema ideal für jugendliche Leser aufgearbeitet.
Erzählt wird das Geschehene von einer unbeteiligten dritten Person, die uns abwechselnd in die Erlebniswelt des Lehrers Ben Ross, der Schülerin Laurie Saunders und des Schülers David Collins eintauchen lässt.
Ben Ross ist einer der engagiertesten Lehrer der Schule, der den Unterricht für seine Schüler spannend und interaktiv gestaltet. Auch außerhalb der Schule ist er ein Mensch, der sich gerne vollkommen in eine Thematik hineinsteigert, alle Einzelheiten darüber am eigenen Leib erfahren möchte, um sich dann zufrieden der nächsten Sache zu widmen.
Mit dieser Einstellung lässt es ihm keine Ruhe, dass er seinen Schülern nicht erklären kann, wieso sich die Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus so und nicht anders ereignet hat. Er entscheidet sich dafür, mit seinen Schülern die Gemeinschaft der Welle zu gründen, damit sie selbst spüren können, wie leicht sich Menschenmassen manipulieren lassen. Doch er selbst wird ebenfalls von der Kraft der Welle erfasst, denn er leitet das Experiment nicht nur, er ist ein wichtiger Teil davon.
Die Welle gibt durch ihre Struktur den Schülern ein intensives Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Stärke als Gruppe. Sie sind begeistert von dem Gedanken, Teil von etwas Größerem, Wichtigem zu sein.
Die Welle zieht die Schüler innerhalb kürzester Zeit in ihren Bann, denn sie basiert auf drei einfachen, einprägsamen Prinzipien:
- Macht durch Disziplin
- Macht durch Gemeinschaft
- Macht durch Handeln
Die militärische Disziplin nehmen sie ohne Widerworte an, weil sie sich stark fühlen, in dem sie sich an gemeinsame Regeln halten. Außerdem wird es durch klare Vorgaben ganz leicht, sich richtig zu verhalten. Viele alltägliche Entscheidungen werden den Schülern von der Gemeinschaft abgenommen.
In der Gemeinschaft steht niemand über dem anderen, und niemand ist weniger wert, kurz: Alle sind gleich wichtig, und sogar Außenseiter fühlen sich plötzlich zugehörig, werden akzeptiert und unterstützt. Es ist auch nicht länger erforderlich, seine eigene Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen, um irgendjemanden zu beeindrucken, denn alle werden angenommen, wie sie sind, solange sie sich an die Regeln der Gemeinschaft halten. So etwas ist vollkommen neu für die Schüler, und sie fühlen sich von einem großen sozialen Druck befreit.
Die Welle stellt den Wert der Gemeinschaft über den ihrer einzelnen Mitglieder und bildet eine Art Überwachungssystem. Sie weist zwar keine ideologischen Grundsätze auf, nimmt aber trotzdem totalitäre Züge an, weil plötzlich alle, die nicht zur Welle gehören wollen, als Gegner oder Feine der Welle angesehen werden. Dieses vermeintliche Feindbild schweißt die Angehörigen der Welle noch enger zusammen.
Wie es auch in anderen Gruppen (Nationen, Religionen, Vereinen oder Sportmannschaften) passiert, fühlen sie sich den anderen überlegen, sehen sich selbst als die Guten, indem sie den anderen negative Eigenschaften unterstellen.
Zu Beginn der Bewegung überwiegen die positiven Auswirkungen auf die Schüler. Diese bestehen darin, dass die Schüler durch die erhöhte Disziplin wesentlich mehr lernen und schneller im Lehrstoff voranschreiten. Außerdem profitieren unbeliebte Schüler davon, dass sich niemand innerhalb der Welle gegen den anderen wendet.
Je weiter sich die Welle ausbreitet, umso mehr werden die negativen Seiten offensichtlich. Immer stärker wird der Zwang, zur Welle zu gehören. Und die Schüler arbeiten zwar stur mehr Lernstoff ab, stellen aber das eigenständige Denken und kritische Hinterfragen des Gelernten weitgehend ein. Ihr Ziel ist nur noch die schnelle Erledigung der angeordneten Aufgaben.
Laurie Saunders ist eine Schülerin in Ben Rosses Geschichtekurs. Sie ist auch Redaktionschefin der Schülerzeitung und jemand, zu dem die anderen aufsehen. Zunächst lässt sich auch Laurie für die Welle begeistern, doch sie hat bei dem regelkonformen Verhalten ihrer Mitschüler ein mulmiges Gefühl. Sie äußert ihre Bedenken ihren Freunden gegenüber, stößt aber nur auf Unverständnis, was ihre Skepsis noch erhöht. Schließlich wird Laurie zur überzeugten Gegnerin der Welle.
David Collins ist ebenfalls Schüler bei Mr Ross. Er hat eine klare Vorstellung von seiner Zukunft und ist ein vernünftiger und strebsamer junger Mann. In dem Gemeinschaftsgefühl, das die Welle in ihm und seinen Mitschülern auslöst, sieht er eine Möglichkeit für seine Football-Mannschaft, Teamgeist zu entwickeln und endlich wieder einmal zu gewinnen. Weil er von den positiven Wirkungen der Welle beeindruckt ist, sorgt er für ihre Verbreitung und genießt das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Stärke. Erst das Entsetzen über sein eigenes Verhalten Laurie gegenüber, kann ihm die Augen öffnen für die Macht, die die Welle bereits über ihn hat.
Vom abrupten Ende der Geschichte war ich etwas überrascht. Hätte sich jemand all das nur ausgedacht, wäre da bestimmt noch mehr passiert, um die Spannung der Story zu erhöhen, wie es eben auch in dem Film aus dem Jahr 2008 der Fall ist. Aber mit dem Wissen, das sich all das tatsächlich so zugetragen hat, war es beängstigend, wie weit die Welle die Schüler getragen hat.
Das Experiment, das dieser mutige Lehrer durchgeführt hat, zeigt sehr deutlich, wie sehr sich der Mensch als soziales Wesen nach der Verbundenheit mit anderen sehnt. Wir schwanken hin und her zwischen dem Wunsch, voll und ganz zu einer Gemeinschaft zu gehören, und dem Bedürfnis, uns selbst, unsere Ideen und Vorstellungen verwirklichen zu können und persönlich frei zu sein.
Das sind unsere zutiefst menschlichen Bedürfnisse: Dazuzugehören, sich als Gruppe von den anderen abzugrenzen, um unsere Identität zu finden, und dennoch uns selbst treu zu bleiben.
Es steht außer Frage, dass wir Menschen nur durch Aufgabenteilung, und die gegenseitige Unterstützung in Gemeinschaften all das erreichen konnten, was wir heute als fortschrittliche Errungenschaften bezeichnen. Gemeinschaften sind der Grundbaustein unserer Zivilisation.
Aber sie können, sofern einige wenige über viele andere bestimmen, auch dazu benutzt werden, Menschen zu unterdrücken, zu manipulieren und Freiheitsrechte einzuschränken.
Mein Fazit:
Die Thematik ist nach wie vor aktuell, denn es fällt schwer, sich vorzustellen, wie leicht wir manipulierbar sind, obwohl wir so aufgeklärt sind.
Doch besonders im Anfangsstadium erscheinen viele Freiheitseinschränkungen als unbedenklich und vielleicht sogar als hilfreich und gut für uns. Sie präsentieren sich harmlos und werden nur schwer als das erkannt, was sie sind: Der Anfang vom Ende der Freiheit.
Darum ist es gut, sich bewusst zu machen: Auch bei uns wäre die Ausbreitung einer solchen Welle durchaus vorstellbar. Besinnungsloses Aufgehen in einer Gemeinschaft hat eine große Verführungskraft.
Also: Augen auf, wachsam sein und auf die innere Stimme hören, die uns warnt, wenn unsere persönliche Freiheit unangenehm beschnitten wird.
Die Welle wurde vom Schreibstil her optimal für jugendliche Leser geschrieben. Sie liest sich leicht und der Inhalt erschließt sich ohne große Umschweife. Es ist eine bereichernde Lektüre, die zum Nachdenken anregt und deren Inhalt mich noch eine Zeit lang beschäftigen wird.
Abschließend ein Einstein-Zitat:"Nicht die bösen Menschen, sondern die, die Böses zulassen, gefährden die Welt."
Viel Spaß beim Selberlesen!
Siehe auch das Video auf Youtube:

Ich hoffe, meine Rezension war hilfreich und Euch wird das Buch gefallen.
Die Inhalte sind meine persönliche Meinung zu diesem Buch.
Ich habe keine Gegenleistungen für diesen Text erhalten.
Die Links zum Buch findet Ihr oben.
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* Alle Inhalte dieses Buches, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken (Buchcover), sind urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, beim Verlag [siehe obiger Link zum Verlag].
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